Peter Lenk ist längst Leitkultur - Sonderausstellung „40 Jahre Zoff und Zwinkern“ in der Städtischen Galerie

Ohne Zweifel zählt Peter Lenk zählt zu den prominentesten und meist diskutiertesten Bildhauern in Deutschland. Warum dies so ist, das wurde schon beim kurzen Rundgang durch die Sonderausstellung „40 Jahre Zoff und Zwinkern“ in der Städtischen Galerie deutlich, die dem Künstler aus Anlass seines 70. Geburtstags am 6. Juni gewidmet ist. Mit seinen Kommentaren zu Entstehungsgeschichte und Hintergrund einzelner Arbeiten beleuchtete der Künstler aus Bodman die Werkschau aus allen Schaffensphasen auf eine ganz persönliche Weise. Ergänzt werden die Skulpturen durch eindrucksvolle, großformatige Fotografien von Achim Mende, die besondere Details und ungewohnte Blickwinkel auf die Kunstwerke Lenks zeigen. Vor dem Hintergrund seiner Omnipräsenz im öffentlichen Raum am Bodensee war es nicht verwunderlich, dass Kunstfreunde und Bewunderer des Bildhauers in Scharen zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung in den Kursaal strömten.

Auch aus seiner bisherigen Heimatstadt Horb kenne er die Kunst Lenks schon, schickte Oberbürgermeister Jan Zeitler seiner Begrüßung bei der Vernissage vorweg, die von Klarinettist Lajos Dudas musikalisch begleitet wurde. Er schätze es ganz besonders, sagte Zeitler, dass Lenk Überlingen als Standort dieser Schau gewählt habe, „und nicht etwa in Stuttgart, Berlin oder Nürnberg, Ihre ursprünglichen Heimat.“ Ungeachtet dessen werde die Skulpturenschau sicher auf großes Interesse nicht nur in der ganzen Republik stoßen, sondern auch über die Landesgrenzen hinweg.

In der Boulevardpresse habe man Lenk schon als „Eulenspiegel vom Schwäbischen Meer“ bezeichnet, erinnerte Jan Zeitler. In der Tat halte er der Gesellschaft einen Spiegel vor. „Das gefällt vielen, aber nicht allen“, betonte der OB. Der Name Lenk stehe indessen rund um den Bodensee als kulturelle und touristische Marke für nicht weniger als 20 bildhauerische Projekte im öffentlichen Raum, erklärte Zeitler. Überlingen selbst beherberge mit dem Bodenseereiter eines der prominentesten Ensembles. „Es handelt sich dabei um das einzige Reiterdenkmal in der Geschichte der Kunst, das zugleich ein Dichterdenkmal ist“, sagte der OB. Doch es sei „kein Ehrfurcht gebietendes Monument, sondern ein augenzwinkerndes Denk-Mal, das die Bürger und die Gäste unserer Stadt zum Nachdenken und zur Stellungnahme herausfordert.“

Unter den Gästen im voll besetzten Kursaal waren viele gute Freunde und Förderer des Künstlers, über deren Präsenz sich Lenk ganz besonders freute. Darunter der ehemalige Konstanzer Schauspieler Helmut Straub, Kunstmäzen Helmut Weber aus Emmingen uns insbesondere Laudator Helmut Weidhase. So filigran und wuchtig wie Lenks ausdrucksvolle Skulpturen oft zugleich sind, so filigran und wuchtig war auch die dicht und wohlgesetzten Worte des Konstanzer Literaturwissenschaftlers Weidhase. Neben seiner Lobrede auf die Lenksche Leitkultur in der Bildhauerei zollte er den profunden Literatur- und Geschichtskenntnissen des Künstlers Respekt und erhielt für seinen mitreißenden Vortrag geradezu frenetischen Beifall.
Im Namen des Sponsors hatte Regionaldirektor Reinhard Haas von der Sparkasse Bodensee seiner Wertschätzung für die Kunst Lenks Ausdruck verliehen. „Nicht nur weil wir im Überlinger Brunnen des Bodenseereiters auch bekannte lokale Banker und ehemalige Sparkassenvorstände wiederfinden.“ Die Sparkasse fördere Kunst und Kultur nicht, weil es zum guten Ton gehöre, „sondern weil wir deren Wert für die Gesellschaft als unbedingt erforderlich ansehen.“ Dazu gehöre auch, dass man sich der Vielfalt des künstlerischen Schaffens öffne und „auch dem Anderssein oder dem Rebellischen seinen Raum, lässt“. Denn man könne derzeit beobachten, gab Haas zu bedenken, „dass Vielfalt nicht immer gewünscht ist“. Hass zitierte ein von Lenk geschätztes Goethe-Wort: „Es wird einem nichts erlaubt. Man muss es sich schon selber erlauben.“

Die Ausstellung ist bis zum 15. Oktober in der Städtischen Galerie zu sehen.