Mütteratelier ÜB-EN 1

„Gemeinsam in Vielfalt“, ein Landesprogramm, hat in Überlingen das Projekt „ÜBerlinger Engagement-Netzwerk 1= ÜB-EN 1“ ermöglicht. In drei Arbeitsgruppen entstanden zahlreiche Projekte wie etwa eine Holz- und eine Fahrradwerkstatt, eine offene Jugend-Theatergruppe, die im Jugendforum auftrat, ein Film wurde gedreht, ein Flüchtlingsdialog organisiert und eine große Integrationsveranstaltung im Kapuziner organisiert. Die Arbeitsgruppe Mütter ist Teil dieses Projektes. Das von der Arbeitsgruppe entwickelte Mütteratelier hat sich speziell an Bedürfnissen geflüchteter Mütter orientiert. Denn auf Grund ihrer Aufgaben und Verpflichtungen als Mutter können sie vielmals gar nicht oder nur eingeschränkt Sprachkurse besuchen. Die Themen Ernährung und Hygiene standen dabei im Vordergrund. 15 Mütter aus Syrien, Georgien, Afghanistan, Eritrea, Palästina und dem Iran trafen sich im Familienzentrum Kunkelhaus und haben über mehrere Wochen donnerstags vormittags dieses besondere Hilfsangebot angenommen. Wobei nicht alle Treffen vor Ort stattfanden: „Wir sind auch in Supermärkte und Drogeriemärkte gegangen und haben den Frauen Aufbau und Funktion erklärt und sie entdecken lassen, wo sie was finden“, berichtet die Pädagogin Judith Manok-Grundler. In ihrer alten Heimat haben die Frauen teilweise die Dinge des täglichen Bedarfs auf offenen Märkten oder auf der Straße gekauft. „Sie kennen das Vokabular für das hiesige Obst und Gemüse nicht, was wird wie zubereitet, welches muss man abkochen, muss man einen Apfel schälen?“ so Manok-Grundler. Für die Leiterin des Familientreffs Martina Fahlbusch-Nährig ist die Frage der richtigen Ernährung von zentraler Bedeutung: „Essen ist auch Heimat.“ Wie wichtig das tatsächlich ist, zeigte sich an der Diskussion und der Hilfsbereitschaft der geflüchteten Mütter, ihr kulinarisches Wissen und in Überlingen gesammelte Erfahrungen untereinander auszutauschen und weiterzugeben. Auch regionales Essen stand auf dem Programm: So wurde im Mütteratelier zum Beispiel frisches Müsli zusammengestellt. „Wir zeigen und besprechen, welche Möglichkeiten es gibt günstige und gesunde Ernährung zuzubereiten. Die Familien haben wenig Geld“, so Fahlbusch-Nährig. Denn im Müsli kann man auch Produkte aus der eigenen Heimat mit verwenden, beispielsweise Nüsse oder Früchte, die den Geschmack nach Heimat vermitteln. Am Ende des gemeinsamen Frühstücks waren alle Schüsseln leer, was nicht aufgegessen wurde durften die Teilnehmerinnen mit nach hause nehmen. Auch 2018 wird wieder ein Mütteratelier für isolierte Migrantinnen angeboten, das den Frauen den Einstieg in die Angebote des Familientreffs erleichtern will. "Ziel ist es, gemeinsam erste Schritte zu begleiten und zu gehen, um eigenständige Entdeckungen und Wege zu erleichtern", erläutert Frau Dachauer, die Integrationsbeauftragte der Stadt Überlingen.