Sie war das Gesicht unseres Kindergartens

Verabschiedung der Lippertsreuter Leiterin Rita Ettrich

Auf dem Ruhebänkchen Platz genommen haben (v.r.) die scheidende Kinderhausleiterin Rita Ettrich und ihre Nachfolgerin Barbara Marquardt. Dahinter stehen (v.r.) OB Jan Zeitler, Abteilungsleiterin Adelheid Hug und OV Gottfried Mayer.

Rita Ettrich wurde am vergangenen Freitag in die Rente verabschiedet. Sie hat ihr gesamtes Berufsleben als Erzieherin und zugleich Leiterin des Kinderhauses Lippertsreute gewirkt.

Oberbürgermeister Jan Zeitler erinnerte daran, dass sie 1977 als frisch ausgebildete Erzieherin die Leitung des Kindergartens in Lippertsreute von den Franziskanerinnen übernommen hatte. Diese hatten die Kinder seit der Einrichtung des Kindergartens im Jahr 1938 betreut. Während Rita Ettrich zu Beginn ihres Berufslebens vor 41,5 Jahren noch allein für 25 Kinder verantwortlich war, wurde sie in den folgenden Jahren von Praktikanten und mit Einrichtung einer zweiten Gruppe auch einer weiteren Erzieherin unterstützt. Heute umfasst das Team acht Erzieherinnen, eine Auszubildende und Schulpraktikanten. Nach der Auflösung der Post im Jahr 1994 und dem Freiwerden der ehemaligen Schulleiterwohnung 2014 konnte sich der Kindergarten jeweils räumlich erweitern und zu einem Kinderhaus entwickeln. Heute bietet es zehn Kleinkindern, zwölf Kindern in einer altersgemischten Gruppe von drei bis zehn Jahren und 25 Drei- bis Sechsjährigen in einer Kindergartengruppe Platz.
 
In ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit im Kinderhaus Lippertsreute hat sie „eine sehr große Anzahl von Kindern in ihrer Entwicklung begleitet, deren Kompetenzen beim Spielen, Singen und täglichen Miteinander gefördert“, würdigte Oberbürgermeister Zeitler. Die Kinder wurden auf die Schule vorbereitet und die Familien in ihrer Erziehung unterstützt. Die Anwesenheit vieler Lippertsreuter bei der Abschiedsfeier zeuge von ihrer Verbundenheit zum Kinderhaus und insbesondere zu Rita Ettrich.
 
Die scheidende Leiterin habe sich, so der Oberbürgermeister, „den ständigen Veränderungen in der Pädagogik wie auch den wechselnden Anforderungen und Bedarfen der Kinder und Familien gestellt und diese gemeinsam mit ihrem Team gemeistert“. Die nicht wenigen Baumaßnahmen und Interimslösungen bedeuteten immer eine besondere Situation und zusätzliche Belastung. Außerdem stellten sich die Erzieherinnen der Herausforderung, geflüchtete Kinder aufzunehmen, sie zu integrieren und ihnen auch nach oft schicksalhaften Erfahrungen ein Stück Geborgenheit zu geben.
 
Nach Aussage von Ortsvorsteher Gottfried Mayer war Rita Ettrich mit allen fünf Ortsvorstehern – Ernst Vögele, Fridolin Keller, Ancilla Starosta, Traudl Keßler und ihm – gut klargekommen; „du hast dich im Ort integriert und angepasst.“ Mit Willensstärke und Durchhaltevermögen habe sie ihre Ziele verfolgt und es auf diese Weise erreicht, dass „das Kinderhaus das wurde, was es heute ist“. Im Vergleich zu ihren beruflichen Anfängen seien heute mehr Verwaltungsaufgaben zu erledigen, sei die Elternschaft anders. Die Anforderungen an die Einrichtung und an die Erzieherinnen seien deutlich gestiegen. Ihr sei das Wohl der Kinder immer am Herzen gelegen, so dass durchgehend festgestellt werden könne: „Die Kinder, die bei Rita im Kindergarten waren, haben sie alle mögen.“ Der Ortsvorsteher überreichte ihr eine Lippertsreuter Chronik, bei deren Durchblättern sie ihre Zeit in Lippertsreute Revue passieren lassen könne, sowie einen Korb mit Produkten aus Lippertsreute.
 

Die Vorschüler trugen Rita Ettrich ein Gedicht vor.

Rita Ettrich war nach Darstellung der Elternbeiratsvorsitzenden Christine Keller viele Jahre „das Gesicht unseres Kindergartens“. Sie dankte der Leiterin für die „liebevolle Arbeit mit unseren Kindern“ und ihr stets offenes Ohr für die Eltern. Sie übergab ihr ein Fotoalbum von Ausflügen, Aktionen und Fotografenbesuchen aus der Zeit von 1977 bis 2018.
 
Christiane Weber erklärte für die Leitungskolleginnen, dass sie Rita Ettrich in ihrer Runde vermissen werden und sie die immer gut gelaunte Kollegin bei ihrem Stammtisch gerne wieder treffen würden.
 
Schon einmal Probesitzen durfte Rita Ettrich auf dem vom Kinderhausteam gestalteten Ruhebänkle. In Quizform stellte Anita Wollmann fürs Erzieherinnenteam einen bildhaften Vergleich Ettrichs mit einem Regenbogen an – sie/er sei unbezahlbar, gebe es nur ganz selten und sei bunt. Ettrich habe für ihren Beruf gebrannt, sei auch in schwierigen Zeiten geblieben und habe vielfältig im Kinderhaus gewirkt. Passend zu dem von den Kindern vorgetragenen Lied „Ich schenk‘ dir einen Regenbogen“ wünschten ihr die Erzieherinnen ein buntes Leben. Mit Blumen verabschiedeten sie und die Kinder sich von ihrer Leiterin.
 
Diese bedankte sich bei der Stadtverwaltung, den Erzieherinnen, dem Elternbeirat, Ortsvorsteher Gottfried Mayer und ihrem Lebenspartner für ihre Unterstützung sowie dem Musikverein „Harmonie“ Lippertsreute für die musikalische Gestaltung der Feier. Rita Ettrich sagte, dass ihr Lippertsreute „ans Herz gewachsen“ sei und sie die Möglichkeit hatte, „die Einwohner von Lippertsreute aufwachsen zu sehen.“ Das Kinderhaus habe sie für die Zukunft gerichtet.

Nachfolgerin Barbara Marquardt stellt sich vor

Ein sehr gut bestelltes Haus konnte Oberbürgermeister Jan Zeitler in die Hände von Barbara Marquardt übergeben. Er freue sich, dass er die Leitung zum 1. März einer „qualifizierten Erzieherin aus den eigenen Reihen“ übertragen konnte. Barbara Marquardt habe 1988 die staatliche Anerkennung ihrer Ausbildung zur Erzieherin erlangt. Sie sammelte in verschiedenen Kindertageseinrichtungen als Erzieherin und teilweise auch als Leitung Berufserfahrung. Seit Februar 2009 arbeitete sie im städtischen Rosa-Wieland-Kinderhaus in Nußdorf und sei dort seit März 2010 stellvertretende Leiterin. In Nußdorf habe sie sich sehr für die Kooperation mit der dortigen Grundschule und dem Hort im Rahmen des Projekts Bildungshaus engagiert. Sie nahm motiviert an der Kneipp-Zertifizierung teil und qualifizierte sich aufgrund der engen Kooperation mit dem Körperbehindertenzentrum Oberschwaben zur Inklusionspädagogin weiter. Jan Zeitler sicherte ihr die Unterstützung der Stadtverwaltung und ihrer Leitungskolleginnen zu und wünschte ihr „viel Erfolg, gutes Gelingen, eine gute Zusammenarbeit mit der Grundschule, einen ganz hervorragenden Start“.
 
Barbara Marquardt bedankte sich für die herzliche Aufnahme im Kinderhaus Lippertsreute und freut sich auf die neue Aufgabe. Die Arbeit als Leitung mache ihr Spaß, „in einem kleinen Kinderhaus kann ich viel Zeit mit den Kindern verbringen“. Sie werde das Kinderhaus stetig weiterentwickeln und an Vorhandenes anknüpfen.
 
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