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Martin Walser zum 85. Geburtstag: Kleine Hommage an den Dichter 21.03.2012 


Martin Walser zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern. Am 24. März wird Walser 85 Jahre alt. Überlingen gratuliert dem in seinem Haus in Nussdorf lebenden Dichter heute mit einem kleinen Text zu seinem Geburtstag. Oberbürgermeisterin Sabine Becker wird ihm die Glückwünsche und Geburtstagsgrüße im Namen der Stadt überbringen.
 
Intellektueller in Nussdorf
Am 10. März schrieb die B.Z. Online Martin Walser sei der größte Dichter Deutschlands. Der andere wäre Günter Grass. Die Zeitung sprach mit dem Intellektuellen aus Nussdorf, der sich mit Marcel Reich-Ranicki genauso überworfen hat wie mit Jürgen Habermas, über den ehemaligen und den zukünftigen Bundespräsidenten. Martin Walser ist hell wach. Er ist ein Zeitzeuge und er war Teil des literarischen und politischen Diskurses in der Nachkriegszeit.
 
Im Sommer schwimmt er täglich
Die B.Z. wollte von Walser auch wissen, wie er seinen 85. Geburtstag feiert. Walser sagte in dem Interview wörtlich: „Ich muss nicht feiern. Jedoch kommt meine Frau aus einer Familie, in der man das macht. Also gehen wir mit einigen Freunden in eine Wirtschaft.“ Der Journalist wollte von dem Dichter außerdem wissen, ob er dieses Jahr schon im Bodensee baden war. Walser antwortete darauf: „Nein, das ist noch zu früh. Ich bin kein Winterschwimmer. Ich kann erst wieder schwimmen, wenn der See 18 Grad hat. Also erst im Mai.“ Der Journalist hakte nach: „Aber dann täglich?“ Martin Walser antwortete: „Natürlich!“ Martin Walser zum 85. Geburtstag. Das Foto zeigt ihn anlässlich seines 80. Geburtstags im Überlinger Ratssaal.
 
Das Haus am See
„Darf ein linker Schriftsteller ein Haus am See besitzen“, fragte der Konstanzer Kulturredakteur Siegmund Kopitzki Martin Walser vor fast genau einem Jahr auf dem Konstanzer Theater. Walser war ins Konstanzer Theater gekommen, um Passagen aus seinen Tagebüchern 1974 bis 1978 zu lesen. Er habe da so eine Tendenz, antwortet Walser damals. „Ich muss ans Wasser.“ Er schwimme gern.
 
Dichter nicht ohne Selbstironie
Einwände gegen einen Uferweg in Nussdorf hätte er aber, als er einzog, nicht gehabt, sagt Walser. Den Überlinger Bürgermeister interessierte ein Seeuferweg damals aber gar nicht, erinnert sich der Dichter. Martin Walser, galt damals als Linker und wurde wegen seiner Haltung zu Vietnam noch links von der SPD eingeordnet. „Dann warst du Kommunist“, sagte Walser. „Dann wurde ich zum Nationalisten.“ Selbstironie blitzte auf.
 
Episoden aus der Bundesrepublik Deutschland
Bei einem Wahlkampf unterstützte Walser die SPD. Als Willy Brand 1965 in Konstanz war, traf er ihn zwischen zwei Wahlkampfterminen auf der Autofähre. Walser wollte wissen, wie es die SPD mit Vietnam halte. „Dann habe ich gemerkt, er drückt sich.“ Für die SPD engagierte sich Walser darauf hin nicht mehr. Die 70-er Jahre waren das Jahrzehnt der RAF, der Berufsverbote und des Radikalenerlasses, erzählte Walser in Konstanz. Als er in Konstanz Gedichte vom mit der RAF sympathisierenden Peter-Paul Zahl las, der zu dieser Zeit gerade im Gefängnis saß, erregten sich Konstanzer Großkopfete wohl bis zum Staatsanwalt. Heute erregen sich Konstanzer nur noch, wenn der Dichter Walser im Wessenberg Café verbotenerweise raucht.
 
Ein Spaziergang am See
Martin Walser und der Bodensee gehören zusammen. Vor mehr als 25 Jahren machten die Dichter Martin Walser und Rolf Hochhuth einen Spaziergang an der Meersburger Promenade. Die beiden Schriftsteller träumten ihren Traum von einem eigenen Theater. Als der Dichter Martin Walser das „Fabrikle“ zwischen See und Reben entdeckte, war das Sommertheater geboren. Eine Spielstätte war gefunden.
 
Man raufte sich zusammen
Martin Walser sprach bei der Stadt Meersburg und beim Konstanzer Stadttheater vor. Die Konstanzer wussten am Anfang nicht so Recht, was sie zu der Idee sagen sollten. Zum Stadttheater noch ein zweites Theater hinzu zu bekommen war dem Konstanzer Theater damals fast zu viel. Doch die damaligen Akteure, Martin Walser, Guntram Brummer, früherer Leiter des Überlinger Kulturamts, der Meersburger Bürgermeister Rudolf Landwehr, Theaterintendant Hans Ammann und Chefdramaturg Uli Khuon, heute Intendant des Deutschen Theaters Berlin, rauften sich zusammen.
 
Ein Autorentheater für Martin Walser
Am Anfang wäre so vieles vorstellbar gewesen. Ammann schwärmte davon, wie Schauspieler eine alte Fabrikhalle, in der einst 150 Webstühle ratterten, in Besitz nehmen würden. Ein Autorentheater hätte es werden können, für das Martin Walser Stücke geschrieben hätte. Seit 1977 stand die ehemalige Textilfabrik leer, die Raum für so viele Fantasien ließ. Die Konstanzer Schauspieler begeisterten ihr Publikum auf der anderen Seite des Sees. Und viele Konstanzer reisten von da an an sommerlichen Abenden mit der Fähre zum Theater nach Meersburg.
 
Theater-Uopien und Realitäten
Im Juli und August verwandelte sich Walsers „Fabrikle“ in eine Theaterspielstätte. Mit Turrinis „Der tollste Tag“ machte das Theater den Anfang. „Dann die Beobachtung, dass in der Novelle vom Fliehenden Pferd ein Kammerspiel schon vorgezeichnet ist“, schrieb Ulrich Khuon, der bis Anfang der 90-er Jahre Intendant in Konstanz war. „Es ist die Verwirklichung einer kleinen Theater-Utopie“ erklärte später Rainer Mennicken, Khuons Nachfolger am Konstanzer Theater. Die Realität aber holte das Theater ein. Die Meersburger ließen die Fabrik abreißen. Wo einst in der Hämmerle-Fabrik Weber arbeiteten und später Theater gespielt wurde, parken seither Autos mit Blick auf den See. Das Theater aber drohte aufgrund der politischen Entscheidung obdachlos zu werden.
 
Sommertheater kehrte heim zu Walser
Sommertheaterfreunde bemühten sich um eine Alternative. Es klappte. Das Meersburger Sommertheater zog in die ehemalige Kapuzinerkirche nach Überlingen um, wo die Schauspieler auch in diesem Sommer wieder auf der Bühne stehen. Die Schauspieler zogen in die Kirche um, die früher einmal Waffenlager war. Mindestens eine Fußnote wert wäre die Feststellung, dass das Theater damals an den Wohnort Martin Walsers heimgekehrt ist, der am Samstag in Nussdorf seinen 85. Geburtstag feiert und sich schon wieder aufs Schwimmen im 18 Grad warmen See freut.
 
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