Stadt erstellte Ranking möglicher neuer Baugebiete 09.05.2012
Immer mehr Menschen wohnen in Überlingen. Die Lage am See ist attraktiv und die Einwohnerzahl, auch die Zahl junger Familien, wird in den kommenden Jahren noch größer. Die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen steigt. In den vergangenen Jahren sind in der Überlinger Kernstadt und in den Stadtteilen viele neue Häuser und Wohnungen in Neubaugebieten, wie am Schättlisberg oder im Max-Bommer-Weg, entstanden. Bauland gibt es mittlerweile zumindest in der Kernstadt aber nicht mehr. Deswegen möchte die Stadt, auch um für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zu sorgen, in Überlingen neue Flächen für den Wohnbau entwickeln. Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Wochen bei einer groben städtebaulichen Analyse untersucht, welche Gebiete als künftige Neubaugebiete in Frage kommen und ein Ranking erstellt. Am geeignetsten ist, wie die Analyse ergeben hat, die Fläche zwischen der Oberen St. Leonhardstraße und der Rauensteinstraße.
Mehr Arbeitsplätze – größere Nachfrage nach Wohnungen
Unternehmen wie Allweier, Rafi Eltec, Puren und Diehl schaffen neue Arbeitsplätze in der Stadt. Allein durch die Ansiedlung von Rafi Eltec entstehen etwa mehrere hundert Arbeitsplätze in Überlingen. Seit 2009 sind insgesamt 500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Überlingen hinzu gekommen. Die Stadt profitiert von der Ansiedlung und Erweiterung von Wirtschaftsunternehmen direkt durch erhöhte Gewerbesteuer und Einkommenssteuereinnahmen, vorausgesetzt, die Mitarbeiter wohnen auch in Überlingen. Als Wohnort ist Überlingen für junge Familien und aufgrund der hohen Lebensqualität auch für die Generation 60+ interessant.
Mietpreise steigen
Dramatische Auswirkungen hat der Zuzug auf den Wohnungsmarkt. Wer in Überlingen heute eine Wohnung mieten möchte, muss mittlerweile hohe Mietpreise bezahlen. In den vergangenen Jahren sind die Mieten deutlich gestiegen. Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen haben kaum mehr die Chance, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
Keine Bauplätze mehr in der Kernstadt
Die Wohnbaulandentwicklung war bereits im Herbst 2010 und im Frühjahr 2012 Thema bei Klausurtagungen des Gemeinderats. Verwaltung und Gemeinderat sehen dringenden Handlungsbedarf. Während es in den Stadtteilen aktuell noch ein Angebot an städtischen und spitälischen Bauplätze gibt, geht das Angebot in der Kernstadt gegen null.
Bewertung von Flächen anhand Kriterienkatalogs
Als weitere mögliche Neubaugebiete kommen in der Kernstadt, wie eine erste grobe städtebauliche Analyse ergeben hat, noch folgende Flächen in Frage: Obere St- Leonhardstraße, Südlich Härlen, Turmgartenweg (Friedhifsgärten), nordöstlich Hildegardring und Flinkern. Die Stadt bewertete die Areale mittels eines Kriterienkatalogs aus dem Interreg IV-Projekt „Städte gestalten Zukunft“. Mit dem Katalog bewerten auch Städte wie Konstanz oder Schaffhausen potenzielle Wohnbauflächen. Insgesamt umfasst der Katalog 28 Kriterien. Eine Rolle spielen Ökologie und das Ortsbild genauso wie der eigentumsrechtliche Status. Für Bauinteressenten sind die Standortqualitäten entscheidend – für die Stadt ist zum Beispiel auch ausschlaggebend, ob das Neubaugebiet mit übergeordneten Planwerken vereinbar wäre.
Obere St. Leonhardstraße beim Ranking vorn
Die Analyse hat ergeben, dass die Fläche zwischen der Oberen St. Leonhardstraße und der Rauensteinstraße am besten geeignet wäre. Ein Vorteil wäre auch die Größe von 2,5 Hektar. Im Moment befinden sich im möglichen künftigen neuen Baugebiet noch Kleingärten. Bis ein Baugebiet entwickelt ist, dauert es vom Zeitpunkt des Beschlusses an noch mindestens ein oder zwei Jahre, bis die ersten Bagger anrollen.
Raum für Baugruppenmodelle
Im neuen Gebiet will die Stadt nicht einfach nur Bauplätze schaffen. Raum sein soll hier für Baugruppenmodelle, bei denen sich zum Beispiel acht Interessenten mit einem Architekten zusammentun könnten. Jeder könnte dann entsprechend der jeweiligen Bedürfnisse bauen. Während ein Bauherr nur eine kleinere Wohnung möchte, kann ein anderer ein Gartengrundstück dazu nehmen. Platz sein könnte auch für Einfamilienhäuser. Oberbürgermeisterin Sabine Becker sagte die Stadt Radolfzell haben mit dem innovativen Konzept sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch in Überlingen wolle die Stadt neue Wege gehen. Dies sei auch ein Resultat der Klausur des Gemeinderats.
Information der Gartenbesitzer und transparentes Vorgehen
Oberbürgermeisterin Sabine Becker sagte, die Stadt werde, sollte das Areal Baugebiet werden, den Kleingärtnern Ersatzflächen zur Verfügung stellen. „Auf gar keinen Fall wird es eine ersatzlose Streichung geben“, sagte die Oberbürgermeisterin. Sie habe zusammen mit Baubürgermeister Ralf Brettin den Kleingärtnern bereits einen Gesprächstermin angeboten. Alle Gespräche und Pläne will die Stadt transparent machen. Auch deswegen hat die Stadtverwaltung die Kleingärtner sofort nach Vorliegen der städtebaulichen Analyse informiert – noch bevor der Gemeinderat überhaupt einen Beschluss gefasst hat.
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