Überlinger Stadtverwaltung im Dialog mit Deisendorfer Bürgern 16.05.2012
Bei einem Bürgergespräch haben Oberbürgermeisterin Sabine Becker, Bürgermeister Ralf Brettin sowie Kämmerer Ludwig Sauter und Fachbereichsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger in der vergangenen Woche Bürgerinnen und Bürger in Deisendorf über die Stadtpolitik und über Themen, die die 620 Einwohner ganz direkt betreffen, informiert. Zu den großen Projekten, die die Stadt 2012 beschäftigen, gehören die Vorbereitung der Landesgartenschau 2020, die Windkraft und die Haushaltskonsolidierung sowie die Idee der Gründung einer Bürger-Kultur-Stiftung und einer ganzjährigen Bespielbarkeit der ehemaligen Kapuzinerkirche. Im Mittelpunkt des Interesses standen aber Deisendorfer Themen wie das Neubaugebiet „Dorfhalde-Nord“ und der mögliche Verkauf des ehemaligen Lehrerwonhauses. Den Abend mit moderiert hat Ortsvorsteher Martin Strehle.
In der „Dorfhalde-Nord“ 29 Baugrundstücke
Die Nachfrage nach Baugrundstücken in Überlingen ist groß. In der Kernststadt gibt es momentan so gut wie kein Bauland mehr. In Deisendorf ist die Lage aktuell besser. 29 Baugrundstücke soll es bald in der „Dorfhalde-Nord“ in Überlingen-Deisendorf geben. Die Bauplätze sind zwischen 400 und 600 Quadratmeter groß. Da die Nachfrage mutmaßlich das Angebot übertreffen wird, will die Stadt die Plätze nach bestimmten Kriterien vergeben. Der Ortschaftsrat entscheidet mit Hilfe von feststehenden Vergaberichtlinien, welche Käufer zum Zug kommen. Bevorzugt werden laut Stadtverwaltung Überlinger Bürger und Familien mit kleinen Kindern. Erfüllen mehrere Bewerber die Voraussetzungen gleich gut, soll die Vergabe nach dem Windhundprinzip (in der Reihenfolge der Bewerbungseingänge) erfolgen, so Ludwig Sauter. Informationen über das Baugebiet stehen bereits auf der städtischen Homepage.
Baubeginn ab Frühjahr 2013
Bürgermeister Ralf Brettin sagte, es gebe mittlerweile einen rechtskräftigen Bebauungsplan. Das Baugebiet werde nun erschlossen. 400.000 Euro plus 70.000 Euro für die Beleuchtung seien im Haushalt eingestellt, erklärte Kämmerer Ludwig Sauter. Im Juli will die Stadt den Auftrag für die Erschließungsarbeiten vergeben. Baubeginn für die Wohnhäuser in der „Dorfhalde-Nord“ könnte nach Aussage von Bürgermeister Ralf Brettin ab Frühjahr 2013 sein. Grundstücksbesitzer müssen dann innerhalb von zwei Jahren bauen, sonst werde der Kauf rückabgewickelt und die Grundstücke würden an den Spital- und Spendfonds zurückfallen. Der Kaufpreis für das Bauland, auf dem sowohl Reihen-, Doppel- wie auch Einfamilienhäuser entstehen können, ist noch nicht bekannt. Zum Vergleich: Baugrundstücke in Bambergen kosten pro Quadratmeter 170 Euro plus Erschließung. In Lippertsreute liegt der Preis je nach Lage bei 140 bis 170 Euro.
Schlechter Zustand der Kirchgasse kritisiert
Weitere Themen, zu denen die Deisendorfer Antworten von der Stadtverwaltung haben wollten, waren der Zustand der Kirchgasse sowie die Straßenbeleuchtung im Birnauer Gässle. Bürger bemängelten aber vor allem den schlechten Straßenzustand und den Zustand der Straßenränder in der Kirchgasse. Ein Teil der Bürger wünschte sich einen Bürgersteig. Bürgermeister Brettin sagte, wenn es um mehr als den reinen Straßenunterhalt gehe, könne die Stadt den Zustand der Kirchstraße nicht sofort aus laufenden Mitteln verbessern. In diesem Fall gebe es die Möglichkeit, die Arbeiten 2012 noch außerplanmäßig zu beginnen oder das Projekt für 2013 einzuplanen. Der Bürgermeister setzte das Thema auf seine To-Do-Liste. Als unbefriedigend empfinden die Deisendorfer auch die Situation an der L 200a. Dort steigen Schulkinder aus dem Bus und stehen direkt auf der Straße, kritisierten Bürger. Die Bürger sagten, die Kinder gingen dann über die Kreuzung weiter zum Kinderheim Linzgau. Die Stadt setzt sich für ein Tempolimit ein. Hierbei sind aber die Landespolizei und das Landratsamt als Straßenbaulastträger zu beteiligen.
„Strochennest“ im ehemaligen Schulgebäude
Zum Thema Kinderbetreuung sagte der zuständige Fachbereichsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger, die Zahl der Einwohner steige in Überlingen bis 2025. Die Stadt erstelle jedes Jahr einen Kindergartenbedarfsplan. Die Betreuungsquote liege in Überlingen schon jetzt fast bei 34 Prozent. Eine Bedarfsquote von 45 Prozent hält die Stadt für realistisch. Die Stadt setzt bei der Kleinkindbetreuung weiterhin auf Kindertageseinrichtungen, die auf das ganze Stadtgebiet mit seinen Ortschaften verteilt sind. Der Ortsvorsteher Martin Strehle, der auch Vorsitzender des Fördervereins erklärte, dass derzeit im Deisendorfer „Strochennest“ 45 Kinder betreut werden. 25 Kinder davon besuchen den Waldkindergarten. Die weiteren 20 Krippenkinder betreut der Verein in zwei Gruppen. Dafür nutzt der Verein das ehemalige Schulgebäude.
Neues Corporate Design für ganze Stadt
Oberbürgermeisterin Sabine Becker informierte die Deisendorfer darüber, dass die Stadt an den Ortseingängen der Stadtteile neue Schilder im Corporate Design aufstellen will, auf denen die Vereine zum Beispiel auf ihre Feste hinweisen können. Die Schilder sollen Papptafeln ersetzen. Das neue Corporate Design, das sich auch auf Visitenkarten und Briefpapier finden wird, soll so sein, dass erkennbar wird, dass die Stadtteile zu Überlingen gehören. Berücksichtigen will die Stadt aber auch die jeweiligen Eigenheiten der Stadtteile.
Oberbürgermeisterin über Windkraft
Stellung nahm die Oberbürgermeisterin auch zur Energiewende. Die grün-rote Landesregierung will bis 2020 etwa zehn Prozent des Stroms aus Windkraft gewinnen. Dafür müssten in acht Jahren 1.200 Windräder gebaut werden. Deisendorf gehört nicht zu den windhöffigen Gebieten auf Überlinger Gemarkung. Windräder seien aber weithin und deswegen auch von Deisendorf aus sichtbar, so Oberbürgermeisterin Sabine Becker. Das Thema Haushaltskonsolidierung betrifft die Deisendorfer hingegen sogar ganz direkt. Die Stadt will Immobilien, die teuer im Unterhalt sind und die die Stadt nicht zur Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben benötigt, verkaufen. Zu den städtischen Gebäuden, die auf dem Prüfstand stehen, gehören das ehemalige Lehrerwohnhaus, das Rathaus und das Dorfgemeinschaftshaus. Oberbürgermeisterin Sabine Becker schloss aber aus, dass das Dorfgemeinschaftshaus, in dem die Deisendorfer ihre Dorfgemeinschaft leben, zum Verkauf stehen könnte. Bei Rathäusern entscheide die Nutzung. Wenn wie in Deisendorf ein Feuerwehrauto im Rathaus stehe, sei es sehr unwahrscheinlich, dass sich der Gemeinderat dafür entscheide die Immobilie zu veräußern.
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