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Deisendorfer sehen möglichen Verkauf des Lehrerwohnhauses kritisch 16.05.2012 


Bei einem Bürgergespräch in der vergangenen Woche in Deisendorf haben Bürgerinnen und Bürger die Stadtverwaltung scharf kritisiert, weil die Stadt den Verkauf des ehemaligen Lehrerwohnhauses prüft. Das ehemalige Lehrerwohnhaus gehört zu den städtischen Immobilien, die die Stadt nicht zur Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben braucht und die sie deswegen aus Gründen der Haushaltskonsolidierung veräußern könnte. Oberbürgermeisterin Sabine Becker wies vor den rund 30 Deisendorfern auf den Sanierungsstau bei vielen städtischen Gebäuden hin. Sie sagte, es sei „tragisch“, dass in Überlingen Jahre lang zu wenig in den regelmäßigen Bauunterhalt investiert worden sei, um den Gebäudebestand in einem guten Zustand zu halten.
 
Stadt benötigt Millionen Euro
Nötig wären Investitionen in Millionenhöhe in die städtischen Immobilien, die die Stadt aufgrund ihrer Einnahmensituation nicht hat. In vielen Gebäuden heize die Stadt seit Jahren das Geld zum Fenster hinaus oder sie repariere ständig Rohrbrüche. Besonders schlecht sei der bauliche Zustand vieler Schulen, Kindergärten und von Turnhallen. Allein für Investitionen in die Schulen müsse die Stadt mehr als 20 Millionen Euro einplanen. Bürgermeister Ralf Brettin verglich den Zustand städtischer Gebäude mit Privathäusern, in die mehr als zehn Jahre lang nichts mehr investiert worden sei und für die keine Rücklagen gebildet worden sind. Brettin sagte: „Wir können nicht zaubern“. Dass die Bürger den Verkauf von Immobilien kritisch sehen, versteht der Bürgermeister. Er erinnerte aber: „ Teuer seien städtische Gebäude vor allem auch im Unterhalt. Die Entstehungskosten machten 20 Prozent der Koste aus, die ein Gebäude in seiner Lebenszeit verursache. 80 Prozent der Kosten entstehen erst während der Nutzung bis zum Abriss.
 
Alternativen Abriss oder Verkauf
In vielen Fällen habe die Stadt nur noch die Wahl zwischen verkaufen und Abriss, sagten Oberbürgermeisterin Sabine Becker und Baubürgermeister Ralf Brettin. Viele Gebäude müssten komplett erneuert werden. Für Sanierungen fehle das Geld.
Oberbürgermeisterin Sabine Becker stellte sich im Bürgergespräch den kritischen Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Sie sagte aber auch: „Für die Vergangenheit kann ich nicht einstehen.“ Die Stadt müsse in die Zukunft schauen. „Wir müssen sehen, was wir vorfinden, und entscheiden, was wir tun müssen.“ Schulden machen, um die maroden Gebäude zu sanieren, wäre nach Überzeugung der Stadtverwaltung kein Ausweg und auch den nachfolgenden Generationen gegenüber nicht gerecht. Eine Arbeitsgruppe des Gemeinderats befasse sich mit der Konsolidierung des Haushalts und in diesem Zusammenhang auch mit dem möglichen Verkauf von städtischen Gebäuden.
Der Verkauf des Deisendorfer Lehrerwohnhauses, das über eine Pausenhalle mit dem Schulgebäude verbunden ist, ist sehr wahrscheinlich, da die Stadt „alles auf den Prüfstand“ stelle. Die Trennung der Gebäude könnte Probleme verursachen. Im Haus wohnt derzeit der Deisendorfer Feuerwehrkommandant mit seiner Familie. Die Familie hat möglicherweise Interesse am Kauf des Hauses und wünscht sich Planungssicherheit. Die Stadt kann das Gebäude nicht freihändig verkaufen, sie muss das Gebäude ausschreiben. Oberbürgermeisterin Sabine Becker sagte, die Stadt werde das Haus aber als vermietete Immobilie ausschreiben und Kauf breche nicht das Mietrecht. Die Stadt wolle Mieter städtischer Immobilien nicht obdachlos machen.
 
Gemeinderat entscheidet über Verkäufe
Aus Sicht der Oberbürgermeisterin nicht zum Verkauf stehen dürften auch Gebäude, die wie das Deisendorfer Dorfgemeinschaftshaus von vielen genutzt werden und die im Leben des Dorfes eine wichtige Rolle spielen oder Gebäude für die sich Vereine in der Vergangenheit besonders engagiert haben. Sabine Becker sagte, sie könne sich nicht vorstellen, dass es im Gemeinderat eine Mehrheit dafür gebe, solche Immobilien zu verkaufen. Eine Deisendorfer Bürgerin hatte beim Bürgergespräch konkret nach der Zukunft des Dorfgemeinschafts- und des Rathauses gefragt.
 
Dialog mit Bürgern wichtig
Oberbürgermeisterin Sabine Becker sagte, es sei ihr wichtig, die Bürgerinnen und Bürger in den Stadtteilen direkt zu informieren und regelmäßig zu Bürgergesprächen in die sieben Stadtteile zu kommen. Sie sagte, in den ersten drei Jahren ihrer Amtszeit habe sie dafür schlicht noch keine Zeit gehabt. Am Anfang sei sie durch die Arbeit im Rathaus sehr stark gebunden gewesen. Erst in diesem Jahr schaffe sie es, regelmäßig Außentermine wie auch einen Besuch beim Plenum wahrzunehmen und auch sich Zeit für Bürgergespräche in den Stadtteilen zu nehmen.
 
Pressereferat