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Nußdorfer möchten Verkehr herunter bremsen 11.07.2012 


Beim Ortsteilgespräch in Nußdorf haben Oberbürgermeisterin Sabine Becker, Bürgermeister Ralf Brettin, Kämmerer Ludwig Sauter und Fachbereichsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger vor rund 20 Bürgerinnen und Bürgern dafür geworben, die Haushaltskonsolidierung fortzusetzen. Als Gesprächspartner zur Verfügung standen an dem Abend den Bürgerinnen und Bürgern sowie Ortschaftsräten auch Ortsvorsteher Günter Hornstein und der neue Leiter der Kur und Tourismus GmbH Jürgen Jankowiak. Die Verwaltung nutzte den Abend, um die Bürger über wichtige Themen der Gesamtstadt und Nußdorfs zu informieren und sich mit den Bürgerinnen und Bürgern direkt auszutauschen. Ein Thema, das die Nußdorfer am Abend angesprochen haben, war der Verkehr. In der Ortsdurchfahrt werde zu schnell gefahren. Auch durch die Lärmemission durch die Bundesstraße sehen Bürger die Lebensqualität in Nußdorf beeinträchtigt.

Dialog mit Jugendlichen geht weiter
Oberbürgermeisterin Sabine Becker nahm zu Beginn des Bürgergesprächs Stellung zu Jugendpartys. Sie hatte für die Abiparty der Constantin-Vanotti-Schule die Sperrzeit im Ostbad um zwei Stunden verkürzt. Raphael Wiedemer-Steidinger sagte, die Lärmtoleranz habe sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Die Anwohner reagierten empfindlicher. Je nach Quartier sind pro Jahr 0 bis 10 seltene Sonderereignisse erlaubt – in Kur- und Wohngebieten weniger als in Gewerbegebieten. Wiedemer-Steidinger sprach sich dafür aus, nicht ein Quartier ständig durch nächtlichen Lärm zu „belasten“, sondern an wechselnden Orten zu feiern. Die nächste Jugendparty soll in der ehemaligen Kapuzinerkirche stattfinden. Wiedemer-Steidinger lobt die Jugendlichen, die im letzten Jahr bei den Jugendveranstaltungen im Dorfgemeinschaftshaus Nußdorf selbst für Security sorgen, darauf achten, dass die Feiernden nach der Veranstaltung wieder gut nach Hause kommen und nach der Party noch Reinigungsstreifen in die angrenzenden Straßen los schicken. Die Stadtverwaltung wies mit Blick auf Partys darauf hin, dass ab 24 Uhr die Musik aufgrund gesetzlicher Regelungen nur noch mit 55dB(A) erlaubt ist. Diese Lautstärke entspricht einem lauten Reden. Sperrzeitverkürzung bedeute nicht, dass damit Ruhestörungen toleriert würden. In Zukunft sollten Anwohner vor Partys informiert werden. Oberbürgermeisterin Sabine Becker kündigte an, den Dialog mit den Jugendlichen fortzusetzen.

Werben für die Landesgartenschau 2020
Weiter sagte die Oberbürgermeisterin, die Stadt Überlingen rechne nach der Entscheidung der Landesregierung mit dem Weiterbau der B 31 und der Fertigstellung der Strecke Überlingen/West bis Überlingen/Ost bis zum Landesgartenschaujahr 2020. Der Überlinger Abschnitt kam bei der Priorisierung durch die Landesregierung auf Rang sechs - mit möglichem Baubeginn ab 2015/2016. Die Oberbürgermeisterin sieht einen klaren Zusammenhang zwischen der Landesgartenschau 2020, die Überlingen ausrichten möchte, und dem Vorrang für die B 31. Beim Ortsteilgespräch warb die Oberbürgermeisterin noch einmal dafür, dass die Stadt tatsächlich ja zur Landesgartenschau sagt. Der endgültige Beschluss des Gemeinderats steht noch aus. Sabine Becker möchte die Bürgerinnen und Bürger am liebsten in einem Bürgerentscheid direkt entscheiden lassen. Gemeinderatsmitglieder möchten dagegen die Entscheidung lieber im Rat treffen. Überlingen hofft aufgrund der Landesgartenschau auch mit einer Bevorzugung bei der Verteilung von Fördermitteln für Stadtentwicklungsprojekte. Oberbürgermeisterin Sabine Becker geht davon aus, dass Überlingen finanziell von der Landesgartenschau profitiert.

Haushaltskonsolidierung unverzichtbar
Die Finanzsituation der Stadt ist aus Sicht der Verwaltung – mit oder ohne Landesgartenschau - weiterhin dramatisch. Kämmerer Ludwig Sauter präsentierte den Nußdorfern konkrete Zahlen. Nach dem Einbruch im Krisenjahr 2009 entwickelten sich die Finanzen erfreulich. Für das Jahr 2013 sagt Sauter aber erneut ein dickes Minus voraus. Voraussichtlich wird die Stadt im kommenden Jahr keinen ausgeglichenen Haushalt vorlegen und die Tilgung nicht erwirtschaften können. Als Obergrenze für städtische Schulden nannte Sauter die 35 Millionen Euro. Dieser Schuldenstand werde voraussichtlich 2014/15 erreicht. Aufgrund des Sanierungsstaus bei städtischen Gebäuden und hohen Investitionen in den Brandschutz muss die Stadt besonders für Schulen und Kindertageseinrichtungen weiterhin sehr viel Geld in die Hand nehmen. Bis 2015 gibt die Stadt für Kindertageseinrichtungen, darunter den Neubau des Rosa-Wieland- Kinderhauses, 11 Millionen Euro und für Schulgebäude weitere 6 Millionen Euro aus.

Verkauf des alten Nußdorfer Rathauses
Durch die begonnene Haushaltskonsolidierung spart die Stadt bereits jährlich ein Million Euro ein. Sabine Becker sagte, die Stadt müsse zu ihren Entscheidungen stehen. Geplant ist als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung auch der Verkauf des alten Rathauses in der Straße Zum Stichling 16. Die Wohnungen in dem Gebäude seien nicht mehr vermietbar. Die Stadt müsste in das Haus investieren, um es wieder vermietbar zu machen.

Neubau des Rosa-Wieland-Kinderhauses

In Nußdorf wird der Rosa-Wieland-Kinderhauses an seinem alten Standort am See neu gebaut. Derzeit arbeiten vier Architekten-Büros an Entwürfen. Am 20. Juli tagt das Preisgericht. Am 25. Juli soll der Gemeinderat entscheiden. Anfang 2013 möchte die Stadt den Altbau abreißen und noch 2013 den Neubau fertigstellen. In der Zwischenzeit kommt der Kindergarten im Montessori Haus unter. 2013 möchte Überlingen einen Kleinkinderbetreuungsquote von 42 bis 43 Prozent erreichen. Die Oberbürgermeisterin sieht aber sogar einen Bedarf von 44 bis 45 Prozent.

Entscheidung über den bisherigen B 31 Anschluss
Noch nicht entschieden hat Nußdorf über den weiteren Status des bisherigen Anschluss an die B 31. Während sich Anwohner vorstellen könnten, die heutige Ortsdurchfahrt abzuhängen und sich davon weniger Immissionen versprechen, fürchten Gewerbetreibende, besonders der Einzelhandel, Nachteile. Bürgermeister Ralf Brettin sagte, es gebe vier mögliche Varianten, die noch zu diskutieren seien: Die Schließung des alten Anschlusses, den alten und neuen Anschluss gleichberechtigt zu nutzen, den alten Anschluss nur für den Busverkehr freizugeben oder den alten Anschluss für Busse und Personenautos freizugeben. Ortsvorsteher Günter Hornstein sagte, die Diskussion sollte nicht mit Halbwissen geführt werden. Am 17. Juli werden die verschiedenen Varianten mit Bewertungen zunächst dem Ortschaftsrat präsentiert. Dann folgen eine Bürgerinformation und die Entscheidung im Gemeinderat. Raphael Wiedemer-Steidinger stellte klar, dass aus rechtlichen Gründen Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt nicht möglich ist, solange die Straße Ortsdurchfahrtsstraße ist.

Tourismusort Nußdorf
Nußdorf aus Sicht des Tourismus hat Jürgen Jankowiak beleuchtet, der seit 1. Mai Geschäftsführer der Kur und Tourismus GmbH ist. Mit 675.000 Übernachtungen und 166.000 Gästeankünften schafft es Überlingen unter die Top-5 am Bodensee. Mit 33.000 Übernachtungen ist Nußdorf vor Lippertsreute der beliebteste Überlinger Ferienteilort. Die Zahlen sind nach Aussage Jankowiaks aber rückläufig. Die Zahl der Beherbergungsbetriebe sei rückläufig. Dass auch die Zahl der Übernachtungen in Ferienwohnungen zurückgegangen sei, sei für den Bodensee untypisch. Während Privatzimmer weniger häufig von Gästen nachgefragt würden, seien Ferienwohnungen beliebt. Möglicherweise könnte der Rückgang in Nußdorf auch daran liegen, dass viele Ferienwohnungen mittlerweile nicht mehr als Ferienwohnungen genutzt werden, sondern dauerhaft vermietet sind. Nach Aussage von Jürgen Jankowiak fehlt in Nußdorf ein 3-Sterne-Ferienhotel. Insgesamt ist Nußdorf als einziger Stadtteil am See mit seinem familienfreundlichen Strandbad, Rad- und Kanuverleih für Gäste attraktiv. Geplant ist 2014 zudem ein neuer Badesteg, der ähnlich wie im West- und Ostbad konstruiert sein soll, aber aufgrund der langen Flachwasserzone weit in den See hinein führen muss. Der Steg kostet voraussichtlich 122.000 Euro. Ziel Nußdorfs ist das Prädikat Erholungsort, so Jankowiak.

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