Gemeinsame Trauer um die Opfer des Flugzeugunglücks 18.07.2012
Angehörige und Einheimische versammelten sich am zehnten Jahrestag
Angehörige der Opfer des Flugzeugunglücks vom 1. Juli 2002, Überlinger Bürger und Einsatzkräfte versammelten sich zehn Jahre danach, zwei Stunden vor Mitternacht, zu einer Gedenkfeier am Denkmal bei Brachenreuthe. Oberbürgermeisterin Sabine Becker erinnerte an den großen Schock, den die Kollision am Himmel für die beschauliche Ferienregion gewesen sei. „Die Dahingegangenen bleiben mit dem Wesentlichen, womit sie auf uns gewirkt haben, mit uns lebendig, solange wir selber leben“, zitierte sie Gedanken von Hermann Hesse.
„Wir sind hier hergekommen, um unsere Herzen und Seelen zu trösten, sagte Sulfat Chammatov, Vorsitzender des baschkirischen Angehörigenvereins. „Unser Leben ist seitdem zweigeteilt, in ein Leben vor und ein Leben nach der Tragödie.“ Er betonte, dass der Dank an die Region aus tiefstem Herzen komme. Der stellvertretende Ministerpräsident der Republik Baschkortostan, Fidus Yamaltdinov, dankte den „deutschen Freunden“, Sie hätten immer einen Weg gefunden zu unterstützen und zu helfen und insbesondere das Andenken an die verlorenen Seelen zu pflegen. Die Überlinger Pfarrer Hansjörg Weber und Reiner Stahl sowie Imam Aiup Bibarsov und der orthodoxe Geistliche Maxim Klimov aus Baschkortostan sprachen Gebete. Während Katharina Dahlinger und Irina Petschalina vom Freundeskreis „Brücke nach Ufa“ die Namen der Opfer des Flugzeugunglücks verlasen, zündete Daniela Einsdorf eine Kerze nach der anderen an und Waldorfschüler stellten die Lichter in die von ihnen bemalten und spiralförmig aufgestellten Papierhüllen. Auch für den ermordeten Fluglotsen wurde eine Kerze entzündet.
Nach ihrer Ankunft am frühen Sonntagmorgen suchten die Angehörigen am Vormittag die Stellen auf, an denen ihre Lieben aufgefunden worden waren. Helfer des Technischen Hilfswerkes (THW) hatten diese am Rand von Feldern und Obstplantagen mit Pfählen und den Namen der Verunglückten markiert. Dort beteten sie und legten sie Blumen nieder.
Am Nachmittag fand bei Taisersdorf ein Gedenkgottesdienst statt, wo die DHL-Frachtmaschine in den Wald gestürzt war. Angehörige und ehemalige Arbeitskollegen der verunglückten Piloten sowie viele Bürger und Vertreter der Rettungsdienste, die Bürgermeister Henrik Wengert aus Owingen und Ralf Brettin aus Überlingen sowie die Ortsvorsteher nahmen daran teil. Pfarrer Meinrad Huber sagte, dass „die stille Solidarität mit den Angehörigen der Opfer“ nicht verloren gehen dürfe. Wie eng großes Glück und verhängnisvolles Unglück miteinander verbunden sein können, machte Ortsvorsteherin Angelika Thiel in ihrer Ansprache deutlich: „Wir haben in jener Nacht eine Gnade erlebt, die 71 Menschen nicht zugefallen ist.“
Parallel dazu besprachen Vertreter der Republik Baschkortostan und des Landes Baden-Württemberg unter dem Vorsitz von Peter Friedrich, Minister für Bundesrat, Europa und Internationale Angelegenheiten, die Perspektiven der Zusammenarbeit. Am Abend beim gemeinsamen Empfang des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Überlingen und der Gemeinde Owingen im Kursaal sagte Friedrich, dass man prüfen werde, ob „wir in den Bereichen Wirtschaft und Tourismus, Bildung und Jugend künftig vermehrt kooperieren und das ein oder andere Projekt gemeinsam auf den Weg bringen können“. Er stellte die Frage, ob die Zeit alle Wunden heile, wie es ein Sprichwort sagt. Noch immer seien Trauer und Schmerz spürbar, Leid und Fassungslosigkeit auch heute noch gegenwärtig. In ihrer Begrüßung berichtete Oberbürgermeisterin Sabine Becker aus Gesprächen mit Angehörigen der Rettungskräfte, dass „sie dieses Unglück besonders herausgefordert hat und die Bilder, die sich ihnen eingebrannt haben, haften bleiben“. „So schmerzlich der Anlass war …, sind aus dem Unglück Freundschaften entstanden“, richtete sie ihren Blick nach vorne und würdigte den Verdienst des Freundeskreises „Brücke nach Ufa“.
Die Republik Baschkortostan revanchierte sich und lud 300 Gäste zu einem Empfang am Montagmittag ins Salem College ein. Yamaltdinov äußerte sich beeindruckt, „wie intensiv die Trauerveranstaltung war“ und wie sehr sich die beiden Regionen und Länder persönlich näher gekommen seien. Staatsrätin Gisela Erler hob das zivilgesellschaftliche Engagement des Freundeskreises „Brücke nach Ufa“ hervor: „Nur durch die vielen guten zwischenmenschlichen Verbindungen, Kontakte und Kooperationen konnte sich die Trauer über die Opfer ganz langsam in Anteilnahmen und Solidarität verwandeln.“ Auch der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel war der Einladung zum Empfang gefolgt und richtete ein paar Worte an die Angehörigen.
Für eine Ausstellung im oberen Foyer des Kursaals unter dem Titel „Kreuzungen – Rückblicke, Ausblicke“ stellte Jürgen Rädler, Sprecher des Freundeskreises „Brücke nach Ufa“, Fotografien, Filmdokumentationen und Hintergrundinformationen zusammen. Sie beleuchtete nicht nur das Unglück, sondern auch die in den vergangenen zehn Jahren entstandenen Beziehungen und gegenseitigen Besuche. Ein wesentlicher Beitrag waren die Aufnahmen des baschkirischen Fotografen Ramil Kilmamatov, die bereits 2004 bei einer Ausstellung in der Camphill Schule Brachenreuthe zu sehen waren. Bei der damaligen Eröffnung erklärte er, dass er mit seiner Kamera einen Beitrag zur Bewältigung der Tragödie zu leisten versucht habe. Seine Bilder von der Kultur und Landschaft Baschkortostans trugen dazu bei, einen kleinen Eindruck von der bei uns eher unbekannten russischen Teilrepublik am Ural zu erhalten.
Am 1. Juli 2002 waren um 23.35 Uhr über Überlingen und Owingen eine Frachtmaschine der DHL und ein Passagierflugzeug der Bashkirian Airlines zusammengestoßen. Unter den 71 Opfern waren 49 Kinder und Jugendliche, die von Ufa aus auf dem Flug in die Ferien nach Spanien waren.
Hauptverwaltung
„Wir sind hier hergekommen, um unsere Herzen und Seelen zu trösten, sagte Sulfat Chammatov, Vorsitzender des baschkirischen Angehörigenvereins. „Unser Leben ist seitdem zweigeteilt, in ein Leben vor und ein Leben nach der Tragödie.“ Er betonte, dass der Dank an die Region aus tiefstem Herzen komme. Der stellvertretende Ministerpräsident der Republik Baschkortostan, Fidus Yamaltdinov, dankte den „deutschen Freunden“, Sie hätten immer einen Weg gefunden zu unterstützen und zu helfen und insbesondere das Andenken an die verlorenen Seelen zu pflegen. Die Überlinger Pfarrer Hansjörg Weber und Reiner Stahl sowie Imam Aiup Bibarsov und der orthodoxe Geistliche Maxim Klimov aus Baschkortostan sprachen Gebete. Während Katharina Dahlinger und Irina Petschalina vom Freundeskreis „Brücke nach Ufa“ die Namen der Opfer des Flugzeugunglücks verlasen, zündete Daniela Einsdorf eine Kerze nach der anderen an und Waldorfschüler stellten die Lichter in die von ihnen bemalten und spiralförmig aufgestellten Papierhüllen. Auch für den ermordeten Fluglotsen wurde eine Kerze entzündet.
Am Nachmittag fand bei Taisersdorf ein Gedenkgottesdienst statt, wo die DHL-Frachtmaschine in den Wald gestürzt war. Angehörige und ehemalige Arbeitskollegen der verunglückten Piloten sowie viele Bürger und Vertreter der Rettungsdienste, die Bürgermeister Henrik Wengert aus Owingen und Ralf Brettin aus Überlingen sowie die Ortsvorsteher nahmen daran teil. Pfarrer Meinrad Huber sagte, dass „die stille Solidarität mit den Angehörigen der Opfer“ nicht verloren gehen dürfe. Wie eng großes Glück und verhängnisvolles Unglück miteinander verbunden sein können, machte Ortsvorsteherin Angelika Thiel in ihrer Ansprache deutlich: „Wir haben in jener Nacht eine Gnade erlebt, die 71 Menschen nicht zugefallen ist.“
Parallel dazu besprachen Vertreter der Republik Baschkortostan und des Landes Baden-Württemberg unter dem Vorsitz von Peter Friedrich, Minister für Bundesrat, Europa und Internationale Angelegenheiten, die Perspektiven der Zusammenarbeit. Am Abend beim gemeinsamen Empfang des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Überlingen und der Gemeinde Owingen im Kursaal sagte Friedrich, dass man prüfen werde, ob „wir in den Bereichen Wirtschaft und Tourismus, Bildung und Jugend künftig vermehrt kooperieren und das ein oder andere Projekt gemeinsam auf den Weg bringen können“. Er stellte die Frage, ob die Zeit alle Wunden heile, wie es ein Sprichwort sagt. Noch immer seien Trauer und Schmerz spürbar, Leid und Fassungslosigkeit auch heute noch gegenwärtig. In ihrer Begrüßung berichtete Oberbürgermeisterin Sabine Becker aus Gesprächen mit Angehörigen der Rettungskräfte, dass „sie dieses Unglück besonders herausgefordert hat und die Bilder, die sich ihnen eingebrannt haben, haften bleiben“. „So schmerzlich der Anlass war …, sind aus dem Unglück Freundschaften entstanden“, richtete sie ihren Blick nach vorne und würdigte den Verdienst des Freundeskreises „Brücke nach Ufa“.
Die Republik Baschkortostan revanchierte sich und lud 300 Gäste zu einem Empfang am Montagmittag ins Salem College ein. Yamaltdinov äußerte sich beeindruckt, „wie intensiv die Trauerveranstaltung war“ und wie sehr sich die beiden Regionen und Länder persönlich näher gekommen seien. Staatsrätin Gisela Erler hob das zivilgesellschaftliche Engagement des Freundeskreises „Brücke nach Ufa“ hervor: „Nur durch die vielen guten zwischenmenschlichen Verbindungen, Kontakte und Kooperationen konnte sich die Trauer über die Opfer ganz langsam in Anteilnahmen und Solidarität verwandeln.“ Auch der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel war der Einladung zum Empfang gefolgt und richtete ein paar Worte an die Angehörigen.
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