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Sicherheitsaudit für Kreisverkehre: Stelen raus aus Kreiseln 25.07.2012 


Starre Hindernisse wie Bäume, Steine, Statuen und Stelen müssen landesweit aus Kreisverkehren verschwinden. Das sieht ein Erlass des Landesverkehrsministeriums vor. Verkehrssicherheit geht vor Ästhetik und städtebaulichen Gesichtspunkten. Allein auf Überlinger Gemarkung gibt es mehr als ein Dutzend Kreisverkehrsplätze, die alle ein Sicherheitsaudit bestehen müssen. Die Stadt nimmt die Kreisverkehrsplätze unter die Lupe und entfernt Hindernisse, die bei einem Unfall den Verunglückten gefährlich werden könnten.

Starre Hindernisse müssen weichen
Laut Erlass des Landesverkehrsministeriums sind grundsätzlich keine starren Hindernisse auf Kreisverkehrsinseln mehr erlaubt. Das betrifft zum Beispiel Steine und Kunstobjekte. Das Ministerium möchte so die Verkehrssicherheit erhöhen. In einer Bestandserhebung und Risikobewertung von Kreisverkehren an Bundes- und Landesstraßen im Hinblick auf die Verkehrssicherheit wurden in Baden-Württemberg insgesamt 637 Kreisverkehre überprüft. Davon wurden 54 Kreisverkehrsplätze mit einem hohen Risiko, 87 Kreisverkehre mit einem mittleren und 496 mit einem geringen Risiko bewertet.

Einheitliche Sicherheitsaudits
Die Regierungspräsidien haben zusammen mit den Unteren Verwaltungsbehörden für die Kreisverkehre an Bundes- und Landesstraßen mit einem hohen und mittleren Risiko bereits Sicherheitsaudits gemäß den Empfehlungen für das Sicherheitsaudit an Straßen (ESAS) ausgeführt. Anschließend sollen laut Ministerium auch die Kreisverkehre mit einer geringen Risikoeinstufung einem Sicherheitsaudit unterzogen werden. Im Klartext: Jeder Kreisel muss geprüft werden. Für die innerörtlichen Kreisel sind in der Regel die Kommunen verantwortlich.

Kunstobjekte innerorts nicht tabu
Bei der Planung und dem Bau von neuen Kreisverkehrsplätzen an Bundes- und Landesstraßen gilt künftig folgendes: Innerhalb von Ortsdurchfahrten ist eine Gestaltung der Kreismittelinsel auch in künstlerischer Hinsicht möglich. Bedingung: Die Belange der Verkehrssicherheit müssen beachtet werden. Im Übergangsbereich von der freien Strecke bis zur Ortsdurchfahrt ist im Einzelfall zu prüfen, ob die künstlerische oder bauliche Gestaltung mit Hindernissen unter Verkehrssicherheitsaspekten möglich ist. Auf der freien Strecke sind auf der Kreismittelinsel grundsätzliche keinen starren Hindernisse erlaubt.

Viele Kreuzungen zu Kreisverkehren umgebaut
Im Bodenseekreis wurde in den vergangenen Jahren eine große Zahl von Kreuzungen zu Kreisverkehrsplätzen umgebaut. Diese Kreisverkehrsplätze befinden sich innerhalb und außerhalb bebauter Bereiche. Nach Mitteilung der Polizei sind Kreisverkehre insgesamt sicher. Das zeigten laut Polizei auch die Ergebnisse einer Untersuchung zur Verkehrssicherheit an Kreisverkehrsplätzen und Ampeln in Bayern von 2005. Kreisverkehrsplätze sind in der Studie als sicherer eingestuft worden als mit Ampeln geregelte Kreuzungen. An den untersuchten Kreisverkehren war das Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, nur in etwa halb so groß wie an Ampelkreuzungen. Darüber hinaus war die Wahrscheinlichkeit an einem Kreisverkehrsplatz tödlich zu verunglücken, dreimal geringer. Die Unfallschwere war niedriger und Unfälle mit Personenschaden gab es an Kreisverkehrsplätzen insgesamt seltener.

Passiver Unfallschutz im Kreisverkehr
Dieser Sicherheitsgewinn hängt nach Einschätzung der Polizei aber wesentlich von der baulichen Ausgestaltung, der Erkennbarkeit, der Ausstattung und der Beachtung sicherheitsrelevanter Randbedingungen ab. Verkehrsteilnehmer prallten in der Vergangenheit offenbar ohne Fremdverschulden auf die Kreismitte. Daher komme der Gestaltung der Kreisinsel im Hinblick auf einen optimalen passiven Schutz eine wichtige Bedeutung zu, meint die Polizei. An einigen wenigen Kreisverkehren im Bodenseekreis gibt es Pflanzungen oder Baulichkeiten, welche nun nochmals im Sinne des Erlasses des Verkehrsministeriums und gemäß den Empfehlungen für das Sicherheitsaudit an Straßen (ESAS) überprüft werden müssten.

Kritisch Kreisverkehr Deisendorf
Im Bodenseekreis gab es in der Vergangenheit laut Polizei vor allem an drei Kreisverkehrsplätzen, darunter am Kreisverkehrsplatz zwischen Rengoldshausen und Deisendorf in Überlingen, außergewöhnlich schwere oder gefährliche Unfälle. Zu Erinnerung: Im Überlinger Kreisverkehr verunglückte am 3. Oktober 2010 am Nachmittag ein 34-jähriger Motorradfahrer. Das Motorrad war auf der L 200a von Deisendorf kommend in Richtung Rengoldshausen unterwegs. Infolge zu schnellen Fahrens und wegen der Blendwirkung der tiefstehenden Sonne bemerkte der Motorradfahrer den Kreisverkehrsplatz zu spät, das Motorrad touchierte die Abgrenzung der Mittelinsel und fuhr mit unverminderter Geschwindigkeit die Böschung des Kreisverkehrs aufwärts. Das Motorrad prallte auf der Mittelinsel frontal auf die dortigen Granitstelen. Der Fahrer flog an den Steinstelen vorbei und stürzte auf die Fahrbahn, wobei er sich schwere Verletzungen zuzog.
An dem Kreisverkehrsplatz ist laut Polizei bereits eine verkehrliche Änderung vorgenommen worden, dennoch soll er nun in Zusammenhang mit einem Verkehrssicherheitsaudit einer Überprüfung unterzogen werden. Das Kunstobjekt wird umgesetzt.

Pressereferat