Brief des Oberbürgermeisters

an die Überlinger Bürgerinnen und Bürger zur aktuellen Lage

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in ganz Deutschland, auch im Bodenseekreis, steigt die Zahl der am Corona-Virus Infizierten. Bis sich eine Person der eigenen Infektion bewusst wird, vergeht eine gewisse Zeit, in der sie wiederum andere anstecken kann. Auch die derzeit bekannten Fälle waren bis zur Feststellung der Infektion noch Teil des öffentlichen Lebens.
Der Schluss aus dieser Faktenkette ist leider der, dass es inzwischen für eine Infektion nicht mehr notwendig ist, dass man sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Eine Ansteckung ist jederzeit, überall und bei jeder Person im täglichen Leben möglich.
Eine weitere Ausdehnung ist deshalb nicht nur durch die zwischen Bund und Ländern vereinbarten Maßnahmen zu verhindern, sondern auch durch die persönliche Verantwortung eines jeden Einzelnen für unsere Gesellschaft. Eine Ansteckung und eine Ausbreitung sind nur aufzuhalten, wenn wir uns alle konsequent aus dem öffentlichen Raum zurückziehen und unser Leben, soweit machbar, auf unser häusliches Umfeld eingrenzen.

Deshalb richte ich meinen dringenden Appell an Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: Nehmen Sie die Lage ernst! Unterschätzen Sie nicht die tatsächliche Situation und Ansteckungsgefahr und reduzieren Sie die Sozialkontakte im privaten wie öffentlichen Umfeld auf ein absolutes Minimum. Halten Sie Abstand, waschen Sie sich regelmäßig die Hände, halten Sie die Hust- und Niesetikette ein – dies hilft nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Umfeld.
Ich versichere Ihnen, dass die Versorgung unserer Stadt aufrechterhalten wird – medizinisch wie auch mit Lebensmitteln. Zeigen Sie sich solidarisch und neigen Sie bitte nicht zu den sogenannten „Hamsterkäufen“.
Die Ausbreitung des Corona-Virus versetzt uns alle in Unsicherheit, macht uns Angst und schürt große Sorgen um die eigene Gesundheit und die der Angehörigen, aber auch um die wirtschaftlichen Folgen. Ich teile Ihre Sorgen und berate mich täglich mit dem Verwaltungsstab der Stadt Überlingen, um die jeweils aktuelle Situation zu bewerten und Maßnahmen zu ergreifen, die uns alle schützen. Heute haben wir den Stab für außerordentliche Ereignisse (SAE) formell einberufen.
Sehr dankbar bin ich für die hohe Bereitschaft in unserer Stadtgesellschaft, Hilfe in vielen Bereichen zu leisten. Seien es all diejenigen, die unsere medizinische Versorgung sicherstellen, die in den Lebensmittelgeschäften arbeiten, die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sorgen oder diejenigen, die öffentliche Infrastruktur sicherstellen. Ich danke aber auch allen, die im Kleinen helfen: die für die ältere Nachbarin den Hund ausführen und für den Rentner von gegenüber Einkäufe erledigen, die seelsorgerische Arbeit leisten und bei der Kinderbetreuung unterstützen. Solidarität und Gemeinschaft zeigt sich auf viele Arten – auch wenn wir Abstand halten müssen, rücken wir sinnbildlich näher zusammen!
Bitte bleiben Sie gesund.
Herzliche Grüße,
Ihr
Jan ZeitlerOberbürgermeister

18.03.2020