Bebauungsplanverfahren Fischerhäuservorstadt

Der fehlende Gesamt - Ensembleschutz für den historischen Stadtkern führt dazu, dass die denkmalpflegerischen Belange nicht in Gänze auf die Überbaubarkeit der einzelnen, teilweise sehr langen innenliegenden Flurstücke, übertragbar sind. Denkbare zukünftige Abgänge von Einzelgebäuden ermöglichen Neubauten, die mit den Kriterien nach § 34 BauGB nur schwer zu beurteilen und zu genehmigen sind. Somit wird das planungsrechtliche Werkzeug der Bauleitplanung als Mittel zur Klärung gesehen. Der nicht überplante Innenbereich nach § 34 BauGB lässt eine geordnete städtebauliche Entwicklung in diesem historisch sehr sensiblen Quartier Fischerhäuservorstadt nicht zu. Evtl. Abgänge nicht unter Denkmalschutz stehender Gebäude generieren Neubauversuche, die in ihrem Maß vielfach wirtschaftlichen Interessen folgen. Der Genius Loci wird gänzlich ausgeblendet und selbst das ordnende Mittel der Altstadtsatzung ist diesbezüglich ein stumpfes Schwert. Mit dem Planungswerkzeug eines einfachen Bebauungsplanes soll insbesondere das Maß der baulichen Nutzung geregelt werden. Für die überbaubaren Grundstücksflächen und die Gebäudehöhen müssen planungsrechtliche Festsetzungen getroffen werden.
Das zu überplanende Quartier der Fischerhäuservorstadt ist historisch gewachsen und widerspiegelt in fast unveränderter Form die Siedlungsstruktur des mittelalterlichen Stadtgefüges. Die historische Bedeutung und Wichtigkeit wird durch zahlreiche unter Denkmalschutz stehende Baukörper manifestiert. Die noch fast intakte Blockbebauung mit seiner unterschiedlichen gestalterischen Ausprägung der Wohnhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert ist Ausgangspunkt einer bestandserhaltenden Bauleitplanung. An der nachfolgenden Abbildung ist gut ablesbar, dass der historische Gebäudebestand keine Veränderungen in der Neuzeit erfahren hat. Die teilweise geschlossene Blockbebauung mit traufständigen Gebäuden, meist drei bis viergeschossige Wohnhäuser, blieb über Jahrhunderte erhalten und betont gliedernd den Straßenraum. Im rückwärtigen Bereich ist die gelockerte Bebauung samt Grünbereiche bis heute gut erhalten.
Mit der Durchführung eines Bebauungsplanverfahrens soll eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung im Quartier Fischerhäuservorstadt gewährleistet werden. Verbunden damit ist insbesondere die baukulturelle Erhaltung der städtebaulichen Gestalt und Siedlungsstruktur. Sämtliche Maßnahmen dazu erfolgen unter dem Gesichtspunkt einer dem Wohl der Allgemeinheit dienenden maßvollen Innenentwicklung.
Für das Plangebiet der Fischerhäuser Vorstadt existiert (September 1998) mit Festlegung des Sanierungsgebietes „Altstadt II West“ eine städtebauliche Rahmenplanung. Das darin formulierte übergeordnete Sanierungsziel ist die Erhaltung des überkommenden Stadtgrundrisses von Überlingen, der folgende Einzelmerkmale aufweist:

  • kleinteilige Parzellierungsstruktur
  • gemischte Nutzungsmerkmale und Funktionsvielfalt
  • störungsfreies Nebeneinander von gewerblichen Nutzungen und Wohnen
  • kleinteilige Bebauungs- und Freiraumstruktur
  • hochwertige und vielfältige Gestaltung von Gebäuden und Freiflächen bei Erhaltung der historischen Merkmale, die die Altstadt heute in ihrem Erscheinungsbild positiv und prägend bestimmen

Detaillierte Vorgaben gehen auf die zukünftige Nutzung und Gestaltung der einzelnen Siedlungsblöcke ein. Damit liegt für eine städtebauliche Ordnung ein gutes Planungsinstrument vor, das durch ein Bauleitplanverfahren rechtlich gefasst werden kann, unter Berücksichtigung aktueller städtebaulicher Entwicklungstendenzen und Belange. Veränderungen im Stadtgefüge und in der Siedlungsstruktur unterliegen unterschiedlichsten gesellschaftlichen Strömungen und Zwecken. Besonders im Wohnungssektor sind die Ansprüche an Ausstattung, Größe und Komfort gestiegen. Der Wohnungsmarkt, auch im historisch geschützten Kernstadtbereich, ist von diesen Umwälzungen betroffen. Um die Balance zwischen Stadtbilderhaltung und modernen architektonischen Gestaltungsansprüchen zu halten, ist es notwendig geworden im Quartier ordnend einzugreifen. Der planungsrechtliche Anspruch stützt sich auf die Notwendigkeit, die bauordnungsrechtlichen Vorgaben der Altstadtsatzung im städtebaulichen Kontext zu sichern. Fehlendes Planungsrecht erschwert eine verträgliche Einfügung nach § 34 BauGB von baulichen Veränderungen. Damit das Gebiet für die Zukunft in seiner Einmaligkeit bewahrt werden kann, ist das Ordnungswerkzeug der Bauleitplanung gefragt.

https://www.svgeosolutions.de/3d/ueberlingen/ueberlingen-3d.html  (Quellenangaben: svGeosolutions GmbH, Freiburg i.Br.)
Um sich einen ersten modellfaften Eindruck der Planungsabsichten verschaffen zu können, wurde eine 3D-Visualisierung erstellt, die über den genannten Link geöffnet werden kann.