Solarthermieanlage am Schättlisberg

Im Rahmen des Projekts „Stadtquartier2050“ hat sich die Stadt Überlingen als einer von 14 Projektpartnern (davon zwei assoziierte Partner) ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Unter der Devise klimaneutrale Energieversorgung schon heute gehen die beiden Städte das Ziel auf Bundesebene, im Jahr 2050 klimaneutral zu wohnen bereits heute an.
Ein zentrales Element zur klimaneutralen Energieversorgung ist die Nutzung erneuerbarer Energien: Deren Ausbau gilt als Voraussetzung um das Ziel der Klimaneutralität erfolgreich zu realisieren. Eine Energieversorgung, die weiterhin auf fossilen Rohstoffen basiert, ist hingegen alles andere als zeitgemäß und unter der Berücksichtigung des Klimawandels keine Option.
Im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projektes soll die Energie genutzt werden, die ohnehin da ist, anstelle Rohstoffe zu importieren – was wiederum mit Emissionen verbunden wäre. Stattdessen soll die lokale Nahwärmeversorgung mit Heizzentrale am Schättlisberg ausgebaut und optimiert werden: Mittels Solarthermieanlage, die auf der Freifläche neben der Heizzentrale geplant wird, soll die Sonnenenergie direkt genutzt und eingespeist werden. Neben der Sonnenenergie fußt die energetische Versorgung des Quartiers in Überlingen auf Biomasse (Holzhackschnitzel aus lokalen Wäldern) sowie einem Blockheizkraftwerk. Die Wärmeversorgung der Gebäude erfolgt über ein lokales Nahwärmenetz. Unnötige Transportwege und damit verbundene Energieverluste oder Emissionen fallen somit weg.
Insgesamt sollen die rund 864 vorgesehenen Vakuumröhrenkollektoren mit einer Gesamtkollektorfläche von rund 4.300 m2 und einer Nennleistung von 3 MW Sonneneinstrahlung in Heizenergie umwandeln.
Bedenken gibt es seitens der Kritiker bezüglich des damit verbundenen Flächenverbrauchs und der -versiegelung, ebenso wie hinsichtlich des Einflusses auf das Landschaftsbild, mögliche Lichtreflexionen und visuelle Wirkungen in der näheren Umgebung.
Um diese negativen Wirkungen zu vermeiden bzw. zu minimieren, wird der geplante Eingriff im Umweltbericht zum Bebauungsplanverfahren tiefgreifend untersucht und bilanziert. Verminderungsmaßnahmen beim Eingriff, wie beispielsweise der Verzicht auf Fundamente für die Aufständerung und eine Optimierung bei der Modulanordnung in Nord – Süd Ausrichtung, kommen dabei sicherlich zum Tragen.
Die Effizienz und damit der Sinn von Solarthermieanlagen in dieser Größenordnung als Beitrag zur kommunalen Energiewende wird durch einen Vergleich mit der konventionellen Anpflanzung von Mais zur Biogasgewinnung anschaulich: Mit der geplanten Solarthermieanlage können auf den 0,43 Hektar im Jahr rund 1.400 MWh Wärme ins Netz eingespeist werden. Zur Abdeckung derselben Wärmemenge durch Silomais, wird eine Fläche von 236 bis 355 Hektar benötigt (ein Hektar besitzt einen Heizwert von 3,94 MWh bis 5,92 MWh). Diese Alternative würde somit weitaus größere Dimensionen im Landschaftsbild einnehmen. Durch die geplante Anlage wird ein Anstieg der Emissionen im Gebäudesektor um ca. 283 bzw. 372 Tonnen pro Jahr - im Vergleich zu fossilen Energieträgern - verhindert. So verbessert die Stadt Überlingen ihre CO2-Bilanz ganz nebenbei. Das Beispiel zeigt, dass regionale Wertschöpfung innerhalb der kommunalen Energiewende der effektivste erlebbare Klimaschutz ist.

Förderinitiative „Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt“ im Rahmen des 6. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung | Verbundvorhaben EnStadt: STADTQUARTIER 2050 – Herausforderungen gemeinsam lösen | Laufzeit: 01.03.2018-28.02.2023 | Förderkennzeichen 03SBE116

Klimaschutz? Da gehen wir doch voran!