STADTQUARTIER 2050

Städtische Wohnviertel sozialverträglich klimaneutral umbauen und die Konzepte auf andere Städte übertragen: Das Leuchtturmprojekt "STADTQUARTIER 2050" entwickelt und realisiert in Stuttgart und Überlingen die zukunftsgerechte Neugestaltung zweier Stadtviertel

© Baugenossenschaft Überlingen eG/m67architekten

Wie lässt sich unter Berücksichtigung einer sozialverträglichen Mietpreisentwicklung bis zum Jahr 2050 eine nahezu klimaneutrale Energieversorgung in städtischen Quartieren realisieren? Dieser Frage gehen die Städte Stuttgart und Überlingen gemeinsam nach. Durch Sanierung, Teilabriss und Neubebauung entstehen über 960 neue Wohneinheiten, die sich wie das gesamte Viertel energetisch klimaneutral verhalten. Dabei werden bei der Umsetzung neben den technischen Möglichkeiten zur Energieoptimierung auch gesellschaftspolitische Bedürfnisse berücksichtigt. Steckbrief STADTQUARTIER 2050 Stuttgart Überlingen  hier (1,797 MB).        

Weitere Informationen:
Quartiere sozialverträglich-klimaneutral-entwickeln,   
Quartiere auf neuen Wegen im reallabor erporbt   

Qualifikation und Expertise der Verbundpartner

Typ Name Datum Größe
pdf Projektpartner 29.11.2018 187,7 KB

Klimaschutzmasterplan (3,969 MB) der Stadt Überlingen 
(Beschluss des Gemeinderates vom 25.04.2018)

Klimaschutz? Da gehen wir doch voran

Die Stadt Überlingen ist Partner im Verbundprojekt „STADTQUARTIER 2050“. Zusammen mit der Stadt Stuttgart und weiteren elf Partnern werden Lösungswege für die klimaneutrale und sozialverträgliche Energieversorgung von Stadtvierteln erarbeitet. Das im Rahmen des 6. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung geförderte Leuchtturmprojekt verfolgt das Ziel für einzelne als Reallabore dienende Stadtquartiere unter Einbeziehung aller relevanten Akteure innovative Konzepte zur Energie- und Wärmewende zu erforschen und umzusetzen. In beiden Demonstrationsquartieren sollen klimaneutrale Quartiersimmobilien bezogen auf Wärme und Strom, inklusive dem Nutzerstrom, konzipiert, geplant und umgesetzt werden. Baulich wird in den Quartieren für die Sanierungen ein KfW 55-Niveau angestrebt und für die Neubauten ein KfW 40+-Niveau. Während im Überlinger Projekt das Hauptaugenmerk auf Low-Tech-Lösungen und dafür einem höherwertigen Wärmeschutz (nicht zuletzt durch den Einsatz eines neuen ressourcenschonenden und recyclingfähigen Hochleistungs-dämmstoffs) liegt, strebt Stuttgart einen stärkeren Fokus auf eine hocheffiziente Energieversorgung an.Ein wichtiges Augenmerk bei der klimaneutralen Energieversorgung ist der Ausbau und die Optimierung des bestehenden Nahwärmenetzes mit Heizzentrale am Schättlisberg. Geplant ist die Errichtung einer Solarthermie - Anlage auf der Freifläche neben der Heizzentrale. Insgesamt sollen die rund 864 vorgesehenen Vakuumröhrenkollektoren mit einer Gesamtkollektorfläche von rund 4.300 m2 und einer Nennleistung von 3 MW aus der Kraft der Sonne Heizwärme erzeugen. Kritische Stimmen verweisen immer wieder auf den Flächenverbrauch und die Versiegelung hin. Zudem würde die Anlage das Landschaftsbild bzw. die nähere Umgebung aufgrund möglicher Lichtreflexionen oder visueller Wirkungen beeinträchtigten. Der geplante Eingriff wird innerhalb der Erstellung des Umweltberichtes zum Bebauungsplanverfahren tiefgreifend untersucht und bilanziert. Verminderungsmaßnahmen beim Eingriff wie z. Bsp. ein Verzicht auf Fundamente für die Aufständerung und eine Optimierung bei der Modulanordnung in Nord – Süd Ausrichtung kommen dabei sicherlich zum Tragen.Die Sinnhaftigkeit und Effizienz von Solarthermie - Anlagen in dieser Größenordnung als Beitrag der kommunalen Energiewende drückt sich anschaulich in einem Vergleich mit der konventionellen Anpflanzung von Mais zur Biogasgewinnung aus: Mit der geplanten Solarthermie - Anlage können im Jahr rund 1.400 MWh Wärme ins Netz eingespeist werden. Zur Abdeckung derselben Wärmemenge durch Silomais, wird eine Fläche von 236 bis 355 Hektar benötigt. Ein Hektar besitzt einen Heizwert von 3,94 MWh bis 5,92 MWh. Hier stellt sich dann ebenso die Frage nach dem Landschaftsbild. Und so ganz nebenbei verbessert die Stadt Überlingen Ihre CO2 - Bilanz und verhindert im Gebäudesektor einen Anstieg der Emissionen um 283 t bzw. 372 t pro Jahr (im Vergleich zu Energieträgern Erdgas/Heizöl). Daran zeigt sich, dass regionale Wertschöpfung innerhalb der kommunalen Energiewende der effektivste erlebbare Klimaschutz ist.