Viele Bäume im Stadtgebiet haben aufgrund des begrenzten Wurzelraums und der hohen Belastungen durch die starke Aufheizung des Stadtraums sowie schädliche Umwelteinflüsse ohnehin schwierige Standortbedingungen. Wassermangel, fehlende Nährstoffe und häufig auch eine unzureichende Belüftung des Bodens führen zu einer nachlassenden Vitalität. Die Bildung von Totholz nimmt zu, ebenso die Anfälligkeit für Schädlinge und Pilzbefall. Dadurch steigen sowohl der Pflegeaufwand als auch die Zahl der absterbenden Bäume. Das ist aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht gleichermaßen problematisch.
Anstatt sich ausschließlich auf die Bekämpfung der Symptome zu konzentrieren, hat die Stadt Überlingen bereits vor einigen Jahren begonnen, gezielt gegenzusteuern. Bei Neupflanzungen werden deshalb bevorzugt Baumgattungen und Arten ausgewählt, die den zukünftigen klimatischen Bedingungen besser standhalten.
Baumarten, die vor zwanzig Jahren noch als ideal für den Stadtraum galten, sind heute vielfach nur noch eingeschränkt geeignet. Inzwischen stehen hitze und trockenheitsverträglichere Arten zur Verfügung, die durch Züchtung oder gezielte Auslese entwickelt wurden. Darüber hinaus werden zunehmend Baumarten aus trockenen und heißen Regionen, insbesondere aus dem Mittelmeerraum, erprobt und als Stadtbäume eingesetzt. Auch die Abkehr von gleichförmigen Alleen mit nur einer Baumart hin zu einer größeren Artenvielfalt innerhalb eines Straßenzugs oder Stadtbereichs trägt dazu bei, die grüne Infrastruktur langfristig zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Kurzfristig steigt jedoch der Aufwand, denn auch der vorhandene Baumbestand muss erhalten werden. Bei mehr als 9.000 städtischen Bäumen ist deshalb eine Priorisierung erforderlich. Ältere Bäume verfügen meist über ein weit verzweigtes Wurzelsystem und können sich besser selbst mit Wasser versorgen. Deshalb stehen bei der Bewässerung vor allem die Neupflanzungen der vergangenen Jahre im Mittelpunkt.
Je nach Standort kommen unterschiedliche Bewässerungssysteme zum Einsatz. Wo es möglich ist, werden Wassersäcke verwendet. Diese mit Wasser gefüllten Kunststoffsäcke werden um den Stamm gelegt und geben das Wasser langsam und gleichmäßig an den Boden ab. Dadurch versickert es tief im Wurzelbereich, anstatt oberflächlich abzufließen. Gleichzeitig verlängert die Speicherkapazität der Wassersäcke die Bewässerungsintervalle. Wo ihr Einsatz nicht möglich oder sinnvoll ist, erfolgt die Bewässerung auf herkömmliche Weise. In der Regel geschieht dies mit einem Fahrzeug, das einen Wassertank mitführt, oder über nahe gelegene Hydranten.
Auch Großsträucher und Bäume in mobilen Pflanzgefäßen müssen in der Regel seltener bewässert werden, da die Gefäße über ein integriertes Wasserreservoir verfügen. Über kapillar aufsteigendes Wasser wird die Feuchtigkeit aus dem Reservoir gleichmäßig im Substrat verteilt. An ausgewählten Standorten unterstützen zusätzlich Feuchtigkeitssensoren dabei, den tatsächlichen Wasserbedarf besser einzuschätzen und die Bewässerung gezielt anzupassen.
Eine entscheidende Rolle spielt außerdem das Substrat, in das die Stadtbäume gepflanzt werden. Neben wichtigen Nährstoffen enthält es poröse Bestandteile wie Ton und Lavagestein. Diese Materialien können Wasser speichern und bei Trockenheit nach und nach an die Wurzeln abgeben.
Auch die Baumstandorte selbst werden bei Neupflanzungen gezielt verbessert. Um ausreichend Wurzelraum zu schaffen, werden unterirdische Baumquartiere angelegt. Diese werden mit speziell abgestimmten Substraten und modernen Bewässerungssystemen ausgestattet und schaffen so bessere Voraussetzungen für ein gesundes und langfristiges Wachstum der Stadtbäume.